Ein freundliches Foto, ein netter Spruch, und doch stimmt was nicht
Im Flur vom Nachbarschaftszentrum bleibt eine Helferin vor dem schwarzen Brett stehen. Ein Flyer zeigt ein freundliches Foto und einen Spruch in dicken Buchstaben. Sie hält den Filzstift über einem Zettel: „okay“ oder „weg“.
Das Gemeine ist: Weder Foto noch Spruch sind offen böse. Der Stich sitzt dazwischen, in Anspielungen und Vorwissen. Wer nur nach klaren Schimpfwörtern oder auffälligen Bildern sucht, übersieht genau diese leisen Treffer.
Der Koordinator kommt dazu. Er sagt nicht nur „weg“. Er schreibt auf einen Klebezettel kurz dazu, was am Foto wichtig ist, was am Spruch zieht, und welches Alltagswissen beides verbindet. Erst steht die Entscheidung fest, dann kommt die Begründung, damit sie nicht abschweift.
Die Helferin übt in zwei Runden. Erst übt sie nur diese kurzen Begründungen, immer mit echtem Foto und echtem Spruch zusammen, bis sie Details verknüpft. Dann erst übt sie das schnelle „okay“ oder „weg“. Beides gleichzeitig macht oft beides schlechter. Merksatz: Das Warum hilft mehr als nur das Ja oder Nein.
Später klappt das auch bei vielen echten Memes und ähnlichen Bildern aus ganz verschiedenen Ecken. Ein kleineres Prüfwerkzeug, das so gelernt hat, trifft spürbar öfter richtig, besonders bei den fiesen Fällen, wo Bild und Text einen in die falsche Richtung schubsen.
Im Flur bleiben trotzdem Stolpersteine. Wenn die Helferin eine Uniform, ein Handzeichen oder eine bekannte Person nicht erkennt, rutscht die Begründung weg und die Entscheidung kippt. Trotzdem ist der Unterschied klar: Früher war es nur Musterjagd, jetzt gibt es eine nachvollziehbare Kette, warum etwas „weg“ muss.