Der Busfahrer und der Stadtplan ohne Risse
Im Depot riecht es nach kaltem Gummi. Der Busfahrer klappt seinen alten Stadtplan auf, und da sind sie wieder, die fehlenden Papierstreifen. Seit Jahren fährt er an diesen Stellen nach Gefühl, so wie Leute lange mit einem Erbgut-Plan mit Lücken leben mussten.
Die Risse liegen ausgerechnet dort, wo alles gleich aussieht, Schleifen, ähnliche Blöcke, Kreisel. Im Erbgut sind das Bereiche, die sich ständig wiederholen, besonders in der Mitte mancher Chromosomen und an kurzen Armen, die sich kaum unterscheiden. Da rutscht man leicht auf die falsche Straße.
Diesmal bekommt der Fahrer Hilfe von Kartografen, die mit einer Stadt arbeiten, in der fast jede Straße nur einmal im Register steht. So müssen sie nicht zwei ähnliche Pläne zusammenwürfeln. Sie laufen Strecken ab, einmal ganz sauber, aber oft nur kurz, und einmal sehr lang, dafür mit mehr Schmierflecken im Notizbuch.
Auf dem Tisch legen sie Folienstücke übereinander und klicken nur zusammen, wenn die Überlappung wirklich passt. Meist wird daraus eine klare Linie. In den Gleich-gegen-Gleich-Vierteln entsteht ein Knoten aus Möglichkeiten. Dann schauen sie, wie oft ein Block in den Notizen auftaucht, und die langen Läufe zeigen, welcher Weg echt befahrbar ist.
Ein Viertel bleibt zäh, endlose Reihen fast gleicher Häuser mit kleinen Macken. Im Erbgut ist das eine Zone mit vielen fast identischen Bausteinen, die die Zelle für ihre Eiweißfabriken braucht. Also sortieren sie Hausarten in Gruppen, schätzen die Mengen, und zeichnen das Viertel als ganze Blöcke, auch wenn nicht jede Haustür-Reihenfolge sicher ist.
Am Ende ist der neue Plan glatt, keine Risse mehr, nur eine besondere Route fehlt, weil sie in dieser Stadt gar nicht vorkam. Nebenbei verschwinden auch alte Druckfehler. Der Busfahrer merkt es sofort, das Navi klebt nicht mehr an einer falschen Parallelstraße. So hilft ein vollständiger Erbgut-Plan, dass Messungen nicht am falschen Ort landen und falsche Alarme seltener werden.